Juni 3
Hans Bellmann hat einen Roman geschrieben: ” Stein und Flöte – und das ist noch nicht alles ”Das ist es: hier fehlt noch etwas. Die pure Beschreibung alleine gibt noch nicht den Inhalt korrekt wieder. Es gab einen Rektor der Jüdischen Universität in Heidelberg : Yehuda Radday, der hat ein kleines Rätselbuch verfasst mit dem Titel : ” Rätseligkeiten ” : Charaden,, Intimitäten, Homonyme und Palindrome der Sprache. Verlegt im Verlag Uli Ackermann. Was arkestra convolt in der Kirche zelebriert ist das folgende Homonym von Jehuda Radday: ” Credo und Kollekte ” :
“Am heiligen Orte, im Dom, Gottes Wohnung, lauscht frömmelnd dem Worte und hofft auf Belohnung der Geizhals andächtig. Doch kaum hat der Priester des Wortes Betonung verlegt, so verschließt er sein Ohr niederträchtig.” Beides findet hier die Erfüllung: die Trilogie der Erfüllung von Hingabe und Gebet und gebet. Dafür danken alle Beteiligten mit gleicher Hingabe.
Mai 19
Der Querklang am Berghang in der evangelischen Bergkirche Schlierbach geht im kommenden Jahr weiter. Die Verantwortlichen in der Kirchengemeinde scheinen ihn zu mögen. Vermutlich traut sich niemand etwas Negatives darüber zu äussern, denn die Pfarrerin Martina Reister-Ulrichs und Kirchenvorstände zählen zu unserem Dauergästen. Jetzt warten wir auf weiteren Andrang: Wer musikalisch etwas zu sagen hat, der soll sich äussern, wir unterhalten uns gerne mit Neuem und Unerwartetem im Querklang am Berghang.
Mai 7
arkestra convolt bleibt Gast in der Bergkirche Schlierbach, “ Gottes Wohnung“. Wir haben uns in sechs Konzerten seit Oktober 2012 soweit wohl anständig benommen. Quer soll es sein, jedoch nicht in dem Sinn, dass wird das Publikum vergraulen. Es kommen sowieso noch nicht übermässig viele. Das Schlechteste ist bei uns immer noch die Werbung.
Jetzt danken wir der Pfarrerin Martina Reister-Ulrichs und dem Kirchenvorstand für das Interesse an unserer Musik und dass arkestra convolt eine so schöne Bleibe gefunden hat. Und wir danken unseren Gästen des letzten halben Jahres wie auch den kommenden Solisten für ihre Begeisterung und Engagement. Sie alle kommen für Ruhm und Ehre in die Bergkirche Schlierbach. Mehr nicht, aber auch nicht weniger.
Apr. 21
Im Sommer 2012 klopfte arkestra convolt, ein weltmusikalisches Völkchen an die Tore der Bergkirche in Heidelberg Schlierbach. Die Winterreise könnte sehr kalt werden, klagten sie und baten: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit. Denen soll es nicht so ergehen wie Maria und Joseph, dachte sich Pfarrerin Martina Reister-Ulrichs und alarmierte den Kirchenvorstand. Schnell wurde ein Mietvertrag geschlossen : es darf alles gespielt werden, ausser noch mehr Triosonaten und Trompetenkonzerte.
Die Bergkirche in Heidelberg-Schlierbach
So entstand der ” Querklang am Berghang “, das Motto für eine neue Konzertreihe in der Evangelischen Bergkirche Schlierbach .Zunächst für ein Jahr geplant, gibt es seit Oktober 2012 jeweils an einem Freitag im Monat ein Konzert.
März 30
Die Verfechter des Spielens auf einer Saite konnten mich mit dem Argument, dass es so einen einheitlichen Melodie-Klang gibt noch nicht überzeugen. Ich habe schon viele Tests mit eindeutigem Ausgang hinter mir, bei denen die Zuhörer sich in einem anderen Raum befanden und nicht wussten, welche Wege ich auf dem Cello oder dem Bass gehe.
Eines der ” eklatantesten ” Beispiele ist für mich der Schwan von Saint Saens. Es gehört schon sehr viel Meisterschaft dazu, auf der A Saite rauf und runter zu rutschen ohne ein romantisches ” Schmierando ” zu hinterlassen, zu vollführen. So bin ich überhaupt zum Cellospiel gekommen: Ich gab meiner Tochter Cellounterricht und ein Freund fragte mich, ob ich ein Quartett-Konzert am Cello mitspielen wolle. Ein Konzert im Königssaal des Heidelberger Schlosses und mit dabei der ” Schwan ” und ich am Solocello mit Streichtrio Begleitung. Nun gibt ja jeder der etwas auf sich hält eine Pralinen-CD mit den erlesensten Döntjes heraus. Kann ich öffentlich in Konkurrenz mit ihnen treten? Fragte ich mich und fand die Lösung ( ich konnte ja gerade mal das Cello halten ). Nur die gute Bogentechnik hatte ich bereits bei Rabbath gelernt. Ich spielte ( und spiele ) den Schwan einfach in der 4. Lage ( nach meiner neuen Lageneinteilung für das Cello-bisher also einfach : die Daumenlage ) alles quer über die Saiten und nicht nur ich behaupte dass es sogar besser klingt. Kein Schmierando, viel Zeit, keine grossen Lagenwechsel und eben sehr viel Zeit für Musik.
Und dieses Quer – klingt. Also geben wir dem Wort die neue Bedeutung Querklang. Und wer sich davon persönlich überzeugen möchte, der kommt einfach in die monatlich stattfindenden ” Querklang am Berghang ” Konzerte von arkestra convolt in denen ich auf dem Cello und dem Kontrabass jede Menge Querklänge erzeuge.
März 25
mit Musik, Bewegung, Tanz, Unordnung, Neuem, Gäste kommen, lassen uns wieder allein – wir suchen – wir finden. Gemeinsam mit Pfarrerin Martina Reister – Ulrichs wagen wir es, die Grenzen in unseren Köpfen zu sprengen. Neue Unordnung darf sein, denn wir alle können nur neue Kontinente entdecken, wenn wir die alten aus den Augen verlieren ( André Gide ). Wer hat schon in seinem Leben eine Tänzerin auf der Kanzel gesehen ( früher : sofort verbrannt ! ), wer hat schon mal Uli Kieckbusch mit absolut hässlichem Gesang in der Kirche gehört ? (Dieses Krächzen war für uns das absolut hingebungsvollste Gebet seit wir über Spiritualität nachdenken) .
Wir alle : Pfarrerin Martina Reister-Ulrichs, der Kirchenvorstand und arkestra convolt stellen diese wunderschöne Kirche wieder in den Mittelpunkt unserer Gedanken: hier fühle ich mich wohl, wann ist das nächste Konzert und : wann will ich die Gastgeberin auch selbst erleben.
Nun ist die Pfarrerin selbst gefordert: wann spricht sie Musik in einem ” Querklang am Berghang ” Konzert ? Vermutlich im Dezember 2013 werden wir und die Gemeinde sie überzeugt haben.
Feb. 25
Fragen wir uns immer wieder. Wir wollen nicht über unser arkestra convolt reden.
Wir denken an den 14.12.2012, als Francesca Imoda die Kanzel der Bergkirche tänzerisch in Besitz nahm und Pfarrerin Reister-Ulrichs ” ganz anders ” wurde. Sie ist nämlich sehr gerne Pfarrerin in dieser Kirche. Und dann kommt am 18.1.2013 Uli Kieckbusch und missbraucht die Kirchenbänke für eine haarsträubend komische und spannungsgeladene Percussionseinlage. Da erschrak sogar Uli Kieckbusch, als er aus einem Augenwinkel die Pfarrerin in der zweiten Reihe bemerkte und verzog sich schnell in die hinteren Bank Gefilde mit seinem “Geklopfe “. Nein, das war es nicht, es war ein Konzert, gut, es war aber auch der Ort, der Zeitpunkt und die Menschen die dies erlebten.
Stellen Sie sich vor, Uli Kieckbusch wandert durch die Stadthalle und beklopft die Stühle ? Lächerlich ! Aber hier, an diesem Ort, ” Gottes Wohnung ” ( Yehuda Raddai ), hier sind wir dies nicht gewohnt, wir erschrecken: darf das sein, ist das jetzt ein Sakrileg oder noch viel schlimmer ? Es ist der Mut der Kirchengemeinde dies zu riskieren, auch die Ablehnung und vielleicht Empörung.
Aber nur das erhält uns neugierig und lebendig. Nicht nur quer klingen, sondern auch ” quer denken “. Das sind spannende Momente, die kleinen Grenzüberschreitungen. Wir, alle am Querklang beteiligten vergessen immer wieder, wo die Bremse ist. Das freut uns, denn sonst könnten wir auch Triosonaten spielen ( auch die können aufregend sein ).
Es ist unser stilles Gebet das da oft so laut wie unerwartet überraschend meditativ daherkommt. Kirche als ” Gottes Wohnung ” ist eine schöne Erfindung des Sprachvirtuosen Yehuda Raddai. Gibt es ein überzeugenderes Gebet als die Hingabe an das, was uns allen an diesem Ort am Herzen liegt ?
Innenraum- Bergkirche Schlierbach
Feb. 1
” Gebrauchsanweisung für das menschliche Gehirn ” der ist so schön, dass wir ihn für eine weitere Lobpreisung unserer Pfarrerin Martina Reister-Ulrichs und ihres Kirchenvorstandes verwenden. Unser Gehirn erinnert : In drei Monaten vor einem Jahr wurde im Pfarramt richtig ” quer gedacht “. Wollen wir das, trauen wir uns das ? Wie soll das gehen , da kommt doch niemand. Dann müssen wir das eben öfters machen, den Gehirnwindungen unserer Gemeinde Zeit geben, stur sein. Zunächst wollte arkestra convolt in dieser Kirche nur ein Konzert geben, aber arkestra convolt kriegt den Hals nicht voll, wir wollen Liebe, viel Liebe, nicht nur einmal: Lob dem menschlichen Gehirn dass es auf die Idee kam diesem Konzert ein Jahr lang eine Chance zu geben. Aber auch das Gehirn kann süchtig werden. Jeder von arkestra convolt hat ein zu Hause, eine Wohnung. Aber in der Musik sind wir spirituell in der Bergkirche Schlierbach, Wolfsbrunnensteige 7 gemeldet. Unser Dank gilt unseren Gastgebern und die danken es uns mit einer sehr toleranten Freiheit ” quer ” in alle Gefilde des Denkens und der Musik.
Jan. 20